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Lexikon

Die Baureihen 201 bis 204 im Kontext der Weltgeschichte

Baureihe 201 (Daimler-Benz)  1982-1993
Als die neue kleine Limousinen-Reihe W201 entwickelt wurde, kulminierte der Kalte Krieg; um 1982 konnten Ronald Reagan, Helmut Schmidt und Helmut Kohl mit der Durchsetzung des NATO-Doppelbeschlusses den Grundstock für das Ende der Ostbedrohung legen.  Der Erfolg des nur in einer Karosserievariante erhältlichen 190er erlaubte mit die Expansion des Daimler-Konzerns, der in den 1980ern durch Zukauf von AEG, MBB, Dornier etc. 1989 eine Konzernneugliederung benötigte, in Folge dessen eine Mercedes-Benz AG als Hersteller in Erscheinung trat.  Nach der Grenzöffnung 1989 stand der W201 noch dreieinhalb Jahre an einer vergrößerten Verkaufsfront.   (weiter)

Baureihe 202 (Mercedes-Benz)  1993-2000
Der 190-Nachfolger kam als "Rettungswagen" um einen durch Fehlplanungen (Diversifikation) und überlange Modelllaufzeiten angeschlagenen Konzern zu stabilisieren: Produktivitätssteigerungen erlaubten erstmals eine aggressive Preispolitik; die Erweiterung der nun C-Klasse genannten Baureihe mittels kleinen T-Modells sowie attraktive Derivate (SLK,CLK) bewirkten neben der Öffnung der mittelosteuropäischen Märkte eine beispiellose Erfolgsgeschichte.  Nach der spektakulären transatlantischen Fusion Daimler / Chrysler verblieben W/S 202 noch etwa zwei Jahre im riesigen Produktportfolio.  (weiter)

Baureihe 203 (DaimlerChrysler)  2000-
Kann auf überaus zufriedene W201/202-Kunden aufbauen und mit einem sehenswerten am Vier-Augen-Gesicht orientierten Design sowie dem avantgardistischen Sportcoupé neue Kunden zur Marke Mercedes locken.  Die riesige Variantenvielfalt der großen C-Klasse-Familie - derzeit steht erneut die Einführung neuer Motoren an - lässt einen den heißumkämpften Weltautomobilmarkt erahnen.  Die an manchen Stellen fühlbare Produktionskostenersparnis wurde mit der Modellpflege 2004 beeindruckend korrigiert.

Baureihe 201 (Deutsche Bundesbahn)  1968-1969
Krupp und AEG-Telefunken hatten 1966 eine dieselelektrische Versuchslokomotive für den Rangierdienst mit einem 1100kW (1500PS) Maybach-Motor MD655 gebaut -ME1500 genannt-, die der Bundesbahn bis 1969 vermietet wurde; dort wurde sie nach der EDV-gerechten Umzeichnung 1968/69 als 201001 geführt.

Baureihe 201 (Deutsche Reichsbahn)  1992-1998
Nach der Deutschen Einheit verständigten sich die zusammenwachsenden deutschen Staatsbahnen auf ein neues einheitliches Baureihenschema;  die seit 1968 vom VEB LEW Hennigsdorf über 800 gelieferten mittelschweren Streckendiesellokomotiven der DR-Reihe 110 (ehemals V100) wurden 1992 in noch 255 Exemplaren zur DR-Baureihe 201 umgezeichnet.  Ironie der Geschichte:  Erste Exemplare besaßen ein Strömungsgetriebe von Voith (Heidenheim), über Österreich bezogen;  die traditionsreiche Lokfabrik Hennigsdorf (1911 von AEG eingerichtet, zu DDR-Zeiten VEB LEW Hans Beimler) wurde von der Daimler-Tochter AEG 1992 gekauft und war bis vor kurzem (nach Fusion mit ABB 1996 zu ADtranz) sogar noch DaimlerChrysler-Tochter.
Nach kontininuierlicher Ausmusterung der schwächsten DR-V100-Variante war 1996 im Vogtland die letzte 201 abgestellt worden; endgültiges Ende bei DB AG war April 1998 nachdem es im April 1997 wegen Lokmangels noch einmal zur Reaktivierung weniger 201er für Rangieraufgaben gekommen war.   (weiter)

Baureihe 201 (ADtranz)  1997-
Anfang 1997, als mit 201132 die letzte 201er bei der DB AG abgestellt war, fuhr die von ADtranz modernisierte 201881 als 201999 - im frischen grasgrün/gelben company design -  zu Testzwecken im Regelbetrieb um Leipzig als damals einzige 201er im DB-Konzern. 

Baureihe 202 (Deutsche Bundesbahn)  1968/69  1971-1985
a) 202001  Henschel und Siemens-Schuckert hatten bereits 1962 eine 83t schwere dieselelektrische Versuchslokomotive DE2000 (mit 1470kW/2000PS-Maybach-Motor) geliefert, die bei der Bundesbahn 1968/69 als 202001 im Versuch lief;
b) 202002 bis 202004   Rheinstahl-Henschel und BBC bauten ab 1970 drei Versuchsloks "DE 2500" mit MAN-Dieselmotoren; eine 202 hatte spätestens 1982 einen 2500PS-V12-Dieselmotor von MTU (die 1969 aus den Hochleistungsdieselsparten von MAN und Daimler-Benz/Maybach hervorgegangen war); die Deutsche Bundesbahn mietete sie von 1971 bis 1985 und führte sie unter der freien Baureihe 202.  Die Motoren der 80t schweren bis 140km/h schnellen Streckenloks erzeugten über Generator und elektronische Umrichter Drehstrom für die Asynchron-Motoren, die die zwei- (bei der 202003) oder dreiachsigen Drehgestelle antrieben. Die fortschreitende Elektrifizierung erübrigte einen Serienbau für Deutschland. Die gewonnenen Erfahrungen kommen aber noch heute dem ICE1 zugute.  Anfang der 1980er fuhr 202003 mit Stromlinienverkleidung im "UmAn"-Versuch bis 250km/h !

Baureihe 202 (Deutsche Reichsbahn, DB AG)  1992-2001
Zur Erzielung von Fahrzeitverkürzungen und Gestattung höherer Zuglasten waren im Raw Stendal seit 1983 fast 500 Loks der Reihe 110 mit einem stärkeren Motor (883 statt 736 kW) umgerüstet worden und unter Beibehaltung ihrer Ordnungsnummer zur Baureihe 112 geworden;  die Vereinheitlichung 1992 ließ sie (vollständig) zur Baureihe 202 werden, Anfang der 1990er Jahre das Rückgrat im Personen- und Güterverkehr auf vielen ostdeutschen Nebenbahnen. Wer will es der Kundschaft verdenken, nun VW und Renault zu fahren nach Jahren der Individualverkehrsentbehrung - und auch der wegbrechende Güterverkehr machte mehr und mehr Lokomotiven überflüssig. Im September 2001 wurde in der Lausitz die letzte Planleistung erbracht, zumal DB Regio als letzter Einsetzer vor dem Zulauf brandneuer Nahverkehrstriebwagen steht.  (weiter)

Baureihe 202 (Deutsche Bahn AG)  2002-
Die DBAG-Tochter Erzgebirgsbahn setzt seit Herbst 2002 wieder zwei altfarbene 202er-Loks im Bau- und Arbeitszugdienst ein; damit sind mit 202646 und 781 wieder Exemplare im Buchbestand des Konzerns.  [em 12/02]

Baureihe 203 (Deutsche Bahn AG)  2000-
Die heute in ganz Deutschland fahrende Lokbaureihe 203 ist sofort als ehemaliges DR-110er-Familienmitglied zu identifizieren:  ab Ende 1999 wurden mindestens 18 alte 202er im DB Cargo-Werk Stendal grundlegend modernisiert - einige mit einem 1240kW-MTU-Motor versehen - um an Dritte weitervermietet werden zu können; verrechnungstechnische Gründe sprachen für eine "Erfindung" dieser Baureihenbezeichnung. Auch beim DB-Tochterbetrieb Bahnbau ist sie in ungewohnter Farbgebung beschäftigt.  (Quelle/externer Link)

Baureihe 204 (Deutsche Bundesbahn) 1969
Die für den Export vorgesehene meterspurige dieselhydraulische Lokomotive Krupp M1500BB mit Daimler-Benz-Motor (1500PS) war 1969 um Hamm für die DB mehrere Wochen im Probeeinsatz (auf Normalspurdrehgestellen) und als 204001 eingereiht.

Baureihe 204 (Deutsche Reichsbahn) 1970-1977
Für den Schnellzugdienst auf den neu elektrifizierten Strecken Mitteldeutschlands hatte sich die Reichsbahn 1932-1935 von AEG 23 mittelschwere E-Loks liefern lassen - E 04 genannt - , von denen sich bei Kriegsende in der SBZ  14 Maschinen aufhielten.  Auf ihren angestammten Strecken versahen sie auch zu DDR-Zeiten ihren Dienst und waren 1970 EDV-gerecht zur Baureihe 204 mutiert (während die Bundesbahn ihre wenigen als 104 eingereiht hatte).  Erst 1977 musterte die DR ihre letzten drei aus; heute ist in Leipzig die ehrwürdige E 04 01 museumsbahn-betriebsfähig.

Baureihe 204 (Deutsche Bahn AG)  1994-
Auch nach der Gründung der DB AG sowie der derzeit laufenden Investitionsoffensive versehen einige wenige Exemplare der stärksten Variante der DR-110-Familie in den neuen Bundesländern bei DB Cargo ihren Dienst.  Die Umrüstung von über  60 110ern im Raw Stendal ab 1984 auf einen 1100kW-Motor hatte diese Exemplare zur Baureihe 114 befördert, die seit 1992 - zusammen mit früher zu Testzwecken getunten Loks (die kurzzeitig versehentlich als 115er geführt waren) -  in 65 Exemplaren als Baureihe 204 firmieren.  Die nun ins Rollen gekommene Ausmusterungswelle wird Fotos der Vettern Neue C-Klasse W204 neben einer DB-204 in 2007 wohl nicht mehr zulassen...   (externer Link)

Jahreszahlen bei Automobilen Produktionszeit, bei Lokomotiven buchmäßiger Bestand

Wegen sich widersprechender Quellen kleine Unschärfen unvermeidlich

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